Heb dich ab

Jaaa das Bild ist etwas merkwürdig. Aber genau darum soll es in diesem Beitrag gehen.  In der heutigen Zeit ist es sehr schwer sich mit seiner Arbeit von der Masse abzuheben. Es gibt ja fast nichts, was es nicht gibt und man hat alles schon mal in irgendeiner Form schon mal irgendwo gesehen. So schnell lassen wir uns auch nicht mehr beeindrucken. Wo liegt also unser Standard und von was lassen wir uns noch beeindrucken?

Wie ich auf dieses Thema komme? Vor ein paar Tagen wollte ich gerade das Studio schließen, als gegen 18.00 Uhr das Telefon klingelt. Eine Mitarbeiterin der Lausitzer Rundschau wollte mir ein paar Fragen, zu den neuen Postkarten des Forster Rosengartens, stellen. Ich war im ersten Moment völlig überrumpelt. Der Auftrag lag schon ein paar Monate zurück, weshalb ich die Bilder schon gar nicht mehr so wirklich im Kopf hatte. Die Motive hatte ich schon im Sommer erstellt.

Eine der Fragen war, wie ich an die Motivauswahl herangegangen bin und warum die Bilder denn so anders aussehen als die üblichen Postkartenmotive. Ich wusste erst einmal keine Antwort auf die Frage. Mir ist nicht einmal bewusst gewesen, dass die Bilder so "anders" sind. Aber warum? Die Frage musste ich mir erst selbst beantworten.

Der weg zum Stil

 

Eine meiner schlechteren Eigenschaften ist mein elender Perfektionismus. Als ich mit der Fotografie anfing, waren mir meine eigenen Bilder nie gut genug. Ich habe mir Arbeiten von Fotografen und Künstlern gesucht, die mich schon beim ersten hingucken vom Stuhl gehauen haben. Wie macht man sowas? Das war immer die Frage, die ich mir jedes Mal gestellt habe. Ein recht erfolgreicher Fotokünstler hat mal gesagt, dass man die Regeln erst kennen muss um die brechen zu können. Geht klar... Regeln lernen! Besser und vor allem anders werden!

Nachdem ich die Regeln kannte, habe ich angefangen, sie für mich anzupassen und neu zu erstellen. Das beginnt schon bei der Herangehensweise. Es gibt Shootings oder Aufträge, die ich bis ins Kleinste plane. Andererseits können die genialsten Sachen auch spontan entstehen. Einige meiner bisherigen Models haben das schon am eigenen Leib erfahren. :D

Das linke Bild von Kaio ist das beste Beispiel für ein spontanes Bild.

Das Rechte ist eines der Postkartenmotive.

Bei den Postkarten war es so, dass ich schon mit einer gewissen Planung losgezogen bin. Es gab auch im Vorfeld eine Besprechung mit dem Park-Management, welche Motive gewünscht sind. Ich hatte ein Zeitfenster von drei Wochen in denen die Bilder entstehen sollten. Ich habe also auf den richtigen Tag mit dem passenden Wetter gewartet. Natürlich muss die Tageszeit auch passen. Zur Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht, ist das Licht eher hart und die Schatten sehr kontrastreich. Am späten Nachmittag herrscht meistens eine "weiche" Lichtstimmung und die Schatten sind nicht mehr so dunkel. Nachmittags war für mich also die beste Zeit. Um sehr schattige Bereiche aufzuhellen hatte ich noch einen großen Blitz dabei. Es muss recht lustig ausgesehen haben, wie ich mit dem kompletten Equipment bepackt durch den Park gezogen bin.

Gutes braucht eben seine zeit

 

Vier Stunden und eine nette Bitte den Park zu verlassen später, hatte ich alle geplanten und ungeplanten Motive im Kasten. Nach so einem Auftrag lasse ich die Bilder meistens einen Tag liegen. So kann ich mich "nüchtern" an die Nachbearbeitung setzten. Bevor ich Euch jetzt mit vielen langweiligen Einzelheiten nerve, was die Bearbeitung angeht, komm ich lieber wieder zum Thema zurück. Warum sehen meine Bilder denn nun so „anders“ aus? Ich versuche einfach jedes einzelne Motiv so zu zeigen, wie es auch zu 100% ist und gebe dann noch 20% mehr dazu. Gut bei manchen Bildern auch ein paar Prozent mehr. ;)

Auch wenn es Vielleicht manchmal nicht so wirkt, denke ich über jedes Bild, welches ich an meine Kunden gebe oder veröffentliche, zweimal nach. Ich stelle mir selbst die Frage ob ich mit dem Ergebnis voll zufrieden bin. Wenn das nicht so ist verlässt hier kein Bild die Festplatte.

 

 

von nix kommt auch nix

 

Ich kann nun doch schon auf ein paar Tage Erfahrung zurück blicken, was Fotografie und Bildbearbeitung angeht. Alles was ich irgendwann mal gelernt habe, hat mir geholfen meinen eigenen Stil und auch meinen einigen Look zu entwickeln.  Ich denke, dass genau das der Grund ist, warum sich, speziell die Postkarten so sehr von den Bisherigen unterscheiden. Das heißt jetzt aber nicht, dass ich mich jetzt zurück lehne und mich auf meinem „Können“ ausruhe. Ich lerne ständig weiter, um das was ich bis jetzt schon kann, weiter zu verbessern. Allerdings ist das „Wie“ nur ein Teil des Erfolges. Das „Warum“ ist der zweite wichtige Part. Dieses Thema hatte ich auch schon in den vorherigen Artikeln.

 

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick in meine Arbeit geben. Ihr habt  jetzt sicher auch gemerkt, dass die meisten meiner Bilder nicht zufällig entstehen, sondern teilweise mit viel Planung und Arbeit verbunden sind. Ich will nicht das gleiche machen was andere schon gemacht haben. Und genau deshalb…

 

hebe ich mich ab

Das, was man so nicht jeden Tag sieht... das ist genau Meins :D